Staatliches Monopol?

Staatliches Monopol?  Die erste Qualitätswerkstatt der IGQK in Basel sondierte im Spannungsfeld zwischen staatlichem und privater Kindesschutz. Die Diskussion zeigte deutlich...

«Staatlicher versus privater Kindesschutz – Konkurrenz, sinnvolle Ergänzung oder sich gegenseitig bereichernde Koexistenz?» Unter diesem Titel wurde am 31. Mai 2017, in Kooperation mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Basel-Stadt, die erste Qualitätswerkstatt durchgeführt. Eingeladen wurden zu dieser kostenlosen Fachveranstaltung Leitungspersonen oder andere Fachpersonen, die massgeblich für die Vergabe von Aufträgen im Kindesschutz verantwortlich sind, sowie Fachpersonen, die sich mit diesem Themengebiet bereits theoretisch, wissenschaftlich oder praxisbezogen vertieft beschäftigt haben.

Im Zentrum der Fachveranstaltung standen die Fragen, wie der staatliche Kindesschutz dem stetig wachsenden privaten Kindesschutz gegenübersteht. Stehen sie in Konkurrenz, ergänzen sie sich sinnvoll oder ist vielmehr von einer sich gegenseitig bereichernden Koexistenz auszugehen? Welche staatlichen Kindesschutzaufgaben sind nicht an private delegierbar und in welchen Bereichen ist es eventuell sinnvoll das staatliche Monopol zu durchbrechen? Wie lassen sich die steigenden Kosten mit der Auslagerung von Aufgaben an Private mit den Sparbemühungen im Sozialbereich legitimieren? Inwieweit erfordert ein erstarkender privater Kindesschutz staatliche Regulierungen (Aufsicht, Bewilligungspflichten, Regelungen zur Preisgestaltung etc.). Letztlich stand die Frage im Raum: Wohin uns die „Sozialindustrialisierung“ führt und zu welchem Preis?

Nach den zwei kontroversen Kurzinputs, gehalten von Thomas Mächler, Bereichsleiter. Jugend, Familie und Sport, Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt sowie Ulrich Bohren, Geschäftsleiter und Mitinhaber Bohren & Lehner (Beratung/ Projekte/Mandate im Sozialbereich) haben die Fachleute aus den Regionen BS, BL, SO und AG engagiert und kontrovers diskutiert. Die Diskussion ist ergebnisoffen ausgelegt.

Aus der Diskussion:

  • Abklärungs- und Mandatsführungen sind staatliche Aufgaben und sollten nicht an Private delegiert werden. Es sind hoheitliche Aufgaben und als solche nicht delegierbar.
  • Eingriffe in die Familie durch Private sind problematisch.
  • Die Entstehung der privaten Angebote für die Abklärung von Kindeswohlgefährdungen sowie die Mandatsführungen sind die direkte Folge von fehlenden finanziellen und personellen Ressourcen bei den Sozialen Diensten.
  • Private Anbieter sind hauptsächlich in strukturschwachen Regionen anzutreffen.
  • Auftraggeber weichen auf die privaten Anbieter aus, wenn die staatlichen Institutionen die Aufträge nicht zeitnah erledigen können.
  • Seit der Einführung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden sehen sich die privaten Anbieter einer Fachbehörde gegenüber, welche ihre Arbeit in Bezug auf die Qualität und die Kosten überwacht.
  • Private Anbieter haben die Möglichkeit Mandate weiterzuführen, auch wenn die Familien in eine andere Gemeinde oder einen andern Kanton umziehen.
  • Anders als im Kindesschutz haben in der stationären Kinder- und Jugendhilfe sowie bei familienergänzenden Unterstützungsangeboten private Trägerschaften eine lange Tradition und sind als solche nicht in Frage gestellt.

Die in der Diskussion angesprochenen Themen wurden während dem Apéro bilateral vertieft. Die Qualitätswerkstatt soll nebst dem Fachdiskurs auch die regionale Vernetzung fördern.

Helga Berchtold